September 2006

Artikel aus September 2006.

In Folge des gelungenen Segel-Events 2005 wurde die Regatta Baltic Sprint Cup auch für das Jahr 2006 ausgelobt, diesmal mit den West-Baltischen Staaten Norwegen, Schweden, Dänemark und dem bekannten Finale in Warnemünde.

Der Start der offiziellen Regatta erfolgte in Stavanger (Norwegen). Hierzu musste die SOLAIR von Kiel aus rd. 450 Seemeilen nach Stavanger gesegelt werden. Der Kieler Yacht Club hatte diese Strecke als Zubringerregatta ausgeschrieben, und die SOLAIR hatte sich dazu gemeldet. Am Start waren „nur“ drei Schiffe, da die meisten Boote aus dem Raum Hamburg über die Nordsee direkt nach Stavanger segelten.

Ziel der Zubringerregatta war, dass die Crewmitglieder der ersten Etappe sich an das Boot, an die Manöver und an die Wellen gewöhnen konnten.

An Bord waren: Peter Ufer (Skipper) Uli Prochaska (Etappenorganisator) Janusz Kruszewski (Co Skipper) Therese Raatz Eike Parnitzke Ingo Babendererde Johannes Bense Rudolf Klump, HSH Nordbank

Die Crewmitglieder Therese, Eike, Johannes, Ingo hatten alle im Winter 2005-2006 erfolgreich Peters Segelscheinkurs absolviert. Bei der Auswahl der Crewmitglieder wurde auch die Segelerfahrung berücksichtigt, um die SOLAIR möglichst weit nach vorne zu bringen.

von links nach rechts: Eike, Ingo, Uli, Janusz, Johannes, Peter

Start in Kiel war am Sonntag den 26. Juni um 15:00 Uhr. Die Kieler Förde war gut gefüllt, da an diesem Wochenende auch noch die „Kieler Woche“ veranstaltet wurde.

Nach anfänglich schönem Segeln bei Sonnenschein schlug das Wetter in der Nacht um, der Wind drehte auf Nordost und wurde kontinuierlich stärker, es regnete in Strömen und die Temperaturen sanken. Erste Anzeichen von Seekrankheit breiteten sich bei einigen Crewmitgliedern aus. Der erste kleine Wind ließ dann aber am Morgen neben der Insel Läsö im Kattegat nach und wurde zur Flaute. Diese quälte unsere Nerven und machte sich dann auch bald davon, um einer neuen Windrichtung aus Nordwest (also wieder voll Gegenan) Platz zu machen. Dieses neue Lüftchen entwickelte sich im Laufe des Tages und der folgenden Nacht zum ordentlichen Weststurm mit bis zu 42 Knoten (10 Beaufort), und selbst die große SOLAIR musste in den Wellen dermaßen stampfen, dass sich mit zunehmender Seekrankheit und Schlafdefizit und dem Verlust der Kühlschranktür der Skipper für das Anlaufen eines Schutzhafens im Süden Norwegens (Mandal) am Mittwochvormittag entschied. Hier konnten die kleineren Schäden behoben werden, die Crew sich wieder stärken und der Sturm abgewettert werden.

wetterfest: Therese und Uli

In Mandal trafen wir schon weitere Boote der Regattaflotte, die hier Schutz suchten. Von den drei in Kiel gestarteten Schiffen kam übrigens keines ohne Aufenthalt in einem Schutzhafen in Stavanger an, womit die Zubringerregatta ein Opfer von Wind und Wellen geworden war. Am Donnerstag war die Wetterfront durch, und wir konnten bei herrlichem Sonnenschein und guten 6 Windstärken die letzten 90 sm nach Stavanger in Angriff nahmen. Leider schlief der Wind ziemlich ein, und da die Zubringerregatta schon als beendet galt, fuhren wir den Rest der Strecke unter Maschine. Ankunft war in Stavanger Mitternacht zum Freitag dem 31. Juni.

Rudolf Klumpp, der sich als seefester „Anekdoten-Erzähler“ schon einen Platz in der Crew erarbeitet hatte, und auch Therese, die sich als starke Steuerfrau qualifizieren konnte, mussten uns leider verlassen und ihren planmäßigen Rückweg antreten. Rudolf hatte an unserer gemeinsamen Fahrt viel Freude. Er war „prima Stimmung“ und ist für weitere Törns gerne zu haben. Auch die „geschäftlichen“ Gespräche mit ihm waren gut und werden kurzfristig in Berlin fortgesetzt.

Der Samstag wurde mit diversen Arbeiten an Crew, Boot und Segeln verbracht. Die Segel wurden dem Segelmacher übergeben, der die kleineren Blessuren wieder heilen sollte. Eine neue Bordbatterie wurde installiert. Alles schraubte und baute. Am Nachmittag bejubelten wir in einer vollen Stavanger Fußballkneipe das spannende Spiel Deutschland-Argentinien nach einem missglückten Versuch, die bordeigene Satellitenfernsehanlage an den Start zu bringen. Der Sieg machte uns Mut für unsere nächsten Tage. Stavanger stellte sich als absolut weltoffene Stadt mit viel Besuch dar. Neben der Regatta fand zeitgleich die internationale Beachvolleyball Worldtour statt. Der Bewegungsmangel auf dem Boot wurde somit von einigen Crewmitgliedern mit ausgiebigem Tanzen in den frühen Samstagmorgen ausgeglichen.

Die erste Etappe: Stavanger – Göteborg, 225sm, Start Sonntag, 01. Juli, 12.00 Uhr

Sonntags ging es früh raus, die Startvorbereitungen mussten erledigt werden. Alles war bereit, nur der Segelmacher kam

und kam nicht mit unseren Segeln. Um 11.45 Uhr waren wir die Letzen am Kai und hatten schon der Regattaleitung via Funk unsere Verspätung angekündigt. Racedirector Allen Green persönlich setze sich dafür ein, dass uns die Segel per Boot nachgebracht wurden. Dadurch konnten wir in letzter Sekunde doch noch am Start teilnehmen. Unsere Segel nahmen wir in einer wilden Aktion auf See nach dem Start auf. Durch die ganze Hektik um die Segel konnten wir uns nur einen mittleren Platz beim Start erkämpfen. Dies stellte sich bald schon als Vorteil heraus, da wir einen Großteil der Flotte vor uns in einem Windloch verhungern sahen.

Peter reagierte super mit einem Abdrehen auf die andere Buchtseite, und wir konnten uns am Großteil des Feldes langsam aber sicher vorbei schleichen. Wieder kam der Wind direkt auf die Nase, es musste also gekreuzt werden. Die neue Genua1 light erwies uns hier beste Dienste. Sie zieht wie eine D-Look und wir konnten mit den anderen souverän mithalten, bzw. auch den ein oder anderen versegeln. Bald schon driftete das Feld auseinander und es stand die taktische Entscheidung an, welche die beste Route nach Stavanger bei den bestehenden Wind- und Seebedingungen war. Wir entschieden uns, mit einem langen Schlag bis rüber nach Skagen zu verholen, da die Strömungsbedingungen hier von Vorteil sind. Der Wind blies beständig aus südlicher Richtung mit 4 Windstärken. Segelwechsel mussten keine durchgeführt werden, und die SOLAIR pflügte angenehm mit 8-10 Knoten durch die ruhige See, die uns noch vier Tage zuvor zum Aufgeben gezwungen hatte.

Janusz

Janusz

Mit einer wunderschönen Nachtfahrt gefolgt von einem blutroten Sonnenaufgang wurde dann Skagen an der Pflichtnordtonne gerundet, um den letzen Schlag nach Göteborg durchzuziehen. Der Wind wurde sehr flau und drehte dann über Süd nach West. Somit konnten auf den letzen 8 Meilen noch die Spinackermanöver „erschrieen“ und noch einige Meter zu den vorderen Booten gutgemacht werden. Mittags um 14:00 Uhr wurde die Ziellinie mit freudigem Jubeln unter Spi durchsegelt. Vorab wurde von jedem Crewmitglied eine Platzierungswette gesetzt. Wir hatten dann den 10. Platz von 32 gestarteten Booten errunge. Leider konnte unsere Crew an der Siegerfeier nicht teilnehmen, da wir schon

am Dienstagmittag abreisten. Die neue Crew mit Olaf Köster sollte ja am Dienstagnachmittag anreisen und der Start der zweiten Etappe stand für Mittwoch auf dem Programm. Wir sind mit der Platzierung super zufrieden, haben wir doch Boote wie die UCA, Symphonie Sylt und Marmelie hinter uns lassen können. Eike hat sich als toller Fotograf verdient gemacht und damit diesen Bericht mit seinen schönen Bildern bereichert.

Ich wünsche allen anderen Kolleginnen und Kollegen eine tolle Zeit auf der SOLAIR, vielleicht nicht mit ganz so heftigen Starkwinderfahrungen. Es stellte sich aber auch hierbei heraus, das die SOLAIR extrem stabil gebaut ist (andere Boote hatten größere strukturelle Schäden zu vermelden) und unseren Vorstellungen und Einsatzbedingungen aufs Beste gewachsen ist. Trotz ohrenbetäubendem Lärm im Sturm hatte wohl kein Crewmitglied wirkliche Angst für Leib und Leben. Ein tolles Schiff und ein starker Skipper, der auch manchmal seinen Schlaf findet.

skipper

Skipper Peter

Gruß von der Crew und Dank für die tollen Tage Uli Prochska